Heute ging es weiter auf dem Camino und ich verließ Burgos in den Morgenstunden. Kurz vor Beginn der ersten Ortschaft holten mich zwei Männer aus dem Schwabenländle ein, denen ich bisher noch nicht begegnet war. Wir kamen ins Gespräch und sie berichteten, dass sie meist Etappen zwischen 30 und 40 km planten. Das merkte ich dann auch an ihren großen, schnellen Schritten und so riet ich den beiden nach einer Kaffeepause in Tardajos, doch besser zu zweit weiterzuziehen. Wahrscheinlich würden sich unsere Wege auf dem Camino aufgrund dieses sportlichen Reisetempos nicht erneut kreuzen.

Anschließend wiederholte sich mehrmals, in kurzminütigen Abständen die Situation, dass jemand in der Ferne meinen Namen rief, ich nach links auswich und sich ein Fahrrad näherte – einige Koreaner, die ich bisher öfter zu Fuß getroffen hatte, waren heute offenbar mit dem Rad unterwegs. Wie sich herausstellte, wollten sie so die weiteren Etappen bis León überbrücken. Auch hier kam ich zu dem Schluss, dass sie schneller unterwegs waren als ich, und ich sie daher vermutlich nicht mehr wiedersehen würde.

Während des weiteren Weges blieb dann eine handgekritzelte Zeile auf einem Hinweisschild in meinem Kopf hängen: „Camino is a journey, not a race.“ (Der Camino ist eine Reise, keine Rennstrecke.) Egal wer am Ende wie schnell wo ankommt – nicht das Ziel zählt hier, sondern der Weg.

Grün, grün, grün sind alle meine Fotos – landschaftlich begann ab heute die iberische „Meseta“, eine eher flache, grüne Hochebene Spaniens mit nur wenigen Bäumen. Inmitten dieser schönen, aber auch eintönigen Landschaft erkannte man bereits aus der Ferne eine kleine Hütte, welche sich tatsächlich als die heutige Albergue herausstellte (ganz klein auch oben im Bild zu sehen). Irgendwo im nirgendwo, war diese Herberge das letzte Relikt einer jahrhundertealten Pilgerstadt. Ich genoss den Nachmittag in der Stille einer kleinen Sitzgruppe an einer Wasserquelle, fernab der Großstadt der letzten beiden Tage.

Da hier absolut nichts im Umkreis von einigen Kilometern verfügbar war, kochte die Wirtin am Abend für uns acht Gäste selbst: eine große Pfanne Paella mit Hähnchen, dazu Salat, Rotwein und Dessert. Wir unterhielten uns über den Weg und lachten über die Eigenheiten der Nationen – welche heute wieder sehr multikulturell vertreten waren.

Hasta mañana und Gracias für alle bisherigen Spenden!