Neben der grünen Natur ist die Meseta auch für ihre vielfältigen Vogelarten bekannt. Daher begann ich heute morgen, einmal genauer hinzuhören auf die verschiedenen Stimmen. Da war zum einen der Kuckuck, der mich bereits seit Beginn des Jakobsweges jeden Morgen begleitete. Gestern hatte ich dann gelernt, wie der Ruf der „Kwartel“ (holländisch für Wachtel) klingt. Auf einmal hörte ich nur noch Wachteln überall, bekam jedoch trotz intensiver Suche keine zu Gesicht. Einige andere Vogelstimmen waren zwar sehr markant, ließen sich aber für mich nicht zuordnen und ich beschloss, mein Wissen zu spanischen Vogelarten zu vertiefen.
Bereits kurz vor 11 kam ich dann in meinem eigentlichen Ziel für heute, Fromista, an und ich beschloss noch einige Kilometer anzuhängen – das Wetter war bisher eher bewölkt und nicht zu heiß.
Dabei stellte ich – wie auch schon gestern – fest, dass weitaus weniger Pilger unterwegs zu sein schienen. Offenbar war es in einigen Pilgerkreisen üblich, die mental anstrengende Etappe der Meseta besser mit Bus oder Fahrrad zu bewältigen. So fragte ich mich daher heute einige Male, ob ich denn überhaupt noch auf dem richtigen Weg war. Andererseits hätte ich mich gar nicht verlaufen können, da der Weg eigentlich immer nur geradeaus ging.
So begann nach Población de Campos ein Abschnitt, der auch als „Pilgerautobahn“ bezeichnet wird, da es stets geradeaus an einer Landstraße entlanggeht. Ich legte also Kilometer für Kilometer zurück, die Sonne kletterte nach und nach immer höher, ich begann auf Spanisch bis 100 zu zählen und weitere Strophen verschiedener Wanderlieder nachzuschlagen.
Irgendwann bot sich dann eine Wegvariante fernab dieser geraden, eintönigen Strecke an, die ich dankend annahm. Sie führte entlang eines Flusses und ich legte eine kurze Rast ein. Auch hier waren wieder zahlreiche Vogelstimmen zu hören, welche in diesem Fall jedoch in akustischer Konkurrenz zu dem ebenfalls lautstarken Quaken der Frösche standen.
Die letzten Kilometer zogen sich dann endlos, bis ich schließlich zwei Damen aus Deutschland einholte, die berichteten, dass sie erst heute in Fromista gestartet waren. Bereitwillig überflutete ich sie mit allem angestauten Pilgerwissen und wir erreichten die gemeinsame Herberge in Villalcázar de Sirga.
Unter Mobilisierung letzter Kräfte widmete ich mich der Wäsche des größten Teils meiner Wandersachen und hängte sie auf die freien Lücken der Wäscheleine im Innenhof. Danach fiel ich geschafft auf meinen Schlafplatz und blieb dort bis zum Abend liegen. Das Dinner gab’s dann in der Herberge, in der ich doch einige bekannte Gesichter traf.
Morgen steht dann eine neue Herausforderung an: Es folgt ein Abschnitt zwischen Carrión de los Condes und Calzadilla de la Cueza in reiner „Power-Meseta“ – 18 km ohne eine Ortschaft, keine Wasserquelle, kaum Bäume, nur geradeaus. Hier soll sich die Spreu vom Weizen trennen – mal schauen welche Körner dafür morgen so benötigt werden.
Hasta mañana und Gracias für alle bisherigen Spenden!