Heute morgen lohnte es sich ebenfalls zeitig aufzustehen, denn schon die ersten Wegkilometer führten an der Weinkellerei „Bodegas Irache“ vorbei. Hier wurde direkt am Camino eine Weinquelle für Pilger angelegt, bei der man seit uralten Zeiten (wenn man rechtzeitig da ist) den Wein direkt aus einem Hahn in der Wand zapfen kann.

An dieser historischen Stätte ereignete sich dann heute die folgende Begebenheit:

Koreanische Mitpilger probieren vom Wein aus den Verschlusskappen von PET-Flaschen. Andere Pilger haben sich in Voraussicht offensichtlich sogar eine zweite Flasche mitgebracht und füllen diese mit einem Schluck für später. Ich, geistig vollauf, leere meine Wasserflasche und fülle sie einige Zentimeter mit Rotwein, um dann festzustellen, dass ich den Wein ja austrinken muss, um Wasser für die folgende Wegstrecke zu haben..💡

  • Ich (zu den Mitpilgern): I like the wine, did you already taste it? (Der Wein schmeckt gut, habt ihr schon probiert?)
  • Pilger (aus Großbritannien): Noo, I didn’t even have breakfast! (Neein, ich hab doch noch nicht mal gefrühstückt!)
  • Ich: Me neither… (Ich auch nicht..)
  • Pilger: Alright, she’s from Germany! (Alles klar, sie ist aus Deutschland!) *allgemeines Gelächter*

… und gemäß der erzgebirgischen Manier „Nischt umkumme lessen“ (Nichts vergeuden) trinke ich dann also auch den Rest aus 😅

Nach dieser Anekdote ging es fröhlich, aber ohne Schlangenlinien 😉, weiter auf dem Weg. Für den nächsten Abschnitt hatte man die Wahl zwischen dem etwas längeren, klassischen Weg und einer kürzeren, aber steileren Variante durch die Berge. Ich wählte trotz der heute anstehenden Wegstrecke den klassischen Weg und überließ die Bergtour den Mitpilgern mit den Teleskopwanderstöcken.

Entsprechend des heutigen Tageseinstiegs ging es weiter vorbei an steilen Weinhängen, bis die Pflanzenwelt dann zunehmend geringer wurde.

Irgendwann ging es dann nur noch zwischen Feldern gerade aus, der Weg endete am Horizont, nur um dann hinter dem nächsten Hügel genauso gerade weiter zu verlaufen. Die Sonne stieg indes bei wolkenlosem Himmel immer höher und höher. Man hätte sich daher heute also eher mit „Burn Camino“ statt „Buen Camino“ gegenseitig begrüßen sollen – wie eine Mitpilgerin treffend bemerkte.

Um demzufolge mein heutiges Ziel Sansol eher früher als später zu erreichen, ließ ich Los Arcos rasch hinter mir und begab mich in die nächste „Wüstenetappe“. Hier traf ich gegen 13 Uhr gottseidank einen kleinen Olivenbaum, der sich still dazu bereiterklärte, mir Schatten bei einer nötigen, kurzen Rast zu spenden.

So gelang es dann auch, noch die letzten Kilometer zu schaffen, welche auf geteerter Straße in Richtung des Ortes Sansol führten, welcher schon von weit aus der Ferne zu sehen war (oder war das eine Fata Morgana? 🤭).

Doch schließlich ist es geschafft, ich bin in der Herberge und starte morgen mit neuer Kraft durch. Was alles so in in einen Tag passt…

Hasta mañana und Gracias für alle bisherigen Spenden!